Ausstellung "Die Welt aus Augsburg"

Landkarten von Tobias Conrad Lotter (1717-1777)

 

 

 

Zur Ausstellung im Schaezlerpalais.

Ein geschichtlicher Rückblick (auszugsweise aus dem Buch "250 Jahre Druckerei Joh. Walch").

 


Augsburg als Druckerstadt

 

In Augsburg waren Günther Zairer, Erhard Ratdolt und Johann Schönsperger die bestimmenden Frühdrucker des ausgehenden 15. Jahrhunderts. So entstand fast ein Drittel aller deutschen Inkunabeln in der Stadt Augsburg, die zur bedeutendsten Druckmetropole des Jahrhunderts aufstieg. Diese Vormachtstellung als Zentrum des deutschsprachigen Buchdrucks konnte auch im 16. und 17. Jahrhundert gehalten werden. 

Bis ins 18. Jahrhundert zählte Augsburg zu den bedeutenden europäischen Zentren der Landkartenproduktion. 

 

 

Johann Martin Will

 

Der Kunstverleger Johann Martin Will zog mit 28 Jahren von Kempten nach Augsburg und gründete 1755 einen eigenen Kupferstichverlag. Er nahm eine 


Augsburgerin zur Frau und legte damit den Grundstein der bis heute andauernden Firmengeschichte. 

Schwerpunkt seiner verlegerischen Tätigkeiten lagen in Bildserien zur Kulturgeschichte (Trachten und Kinderspiele), in der Gebrauchsgrafik (Ausschneidebögen, religiöse Andachtsbildchen), Porträtstich und in der Karikatur.

 

 

Johann Martin Will und Joh. Walch erwerben den Landkartenverlag Gustav Conrad Lotter

 

Als der berühmte Augsburger Landkartenverleger Matthäus Seutter 1757 gestorben war, fiel seine Offizin an seinen Schwiegersohn Albrecht Karl. Nach dessen Tod verkaufte die Witwe den Verlag zu einem Teil an Tobias Conrad Lotter und zum anderen an Johann Michael Probst den Älteren. 

Tobias Conrad Lotter, der sich schon als wichtigster Mitarbeiter Seutters einen Ruf als hervorragender Landkartenstecher erworben hatte, ersetzte auf den Karten seines Verlagsanteiles den Namen seines Schwiegervaters durch seinen eigenen. Als selbstständiger Verleger verwirklichte er in der Folgezeit eine Vielzahl von Kartenentwürfen, wobei ihn seine drei Söhne Matthäus Albrecht, Georg Friedrich und Gustav Conrad unterstützten. Letzterer starb bereits wenige Monate nach seiner Heirat. Kurz darauf brachte seine Witwe den gemeinsamen Sohn Philipp Conrad zur Welt.

 

 

Diesem Enkel hinterließ sein Großvater Tobias Conrad Lotter, als er ein Jahr später starb, einen beträchtlichen Verlagsanteil als Erbe. Über das Erbteil konnte Gustav Conrad Lotters Witwe jedoch lange Zeit nicht frei verfügen, erst 1789 gelangte er zur öffentlichen Versteigerung. Ersteigert wurde der gesamte Posten von Johann Martin Will. Eine spätere archivarische Quelle von 1798 behauptet, dass Johann Walch den lotterischen Landkartenverlag kaufte. Ob nun Will oder Walch als Käufer des Erbteils von Gustav Conrad Lotter auftrat, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

 

 

Druckerei Walch heute

 

Die Druckerei zählt zu den ältesten Deutschlands. Mittlerweile steuert die 8. Generation, Johanna Mayr-Walch aus der Familie, die Druckerei. In der Firmengeschichte ist Johanna Mayr-Walch die erste Frau an dieser Position.

 

Aufgrund meiner 33-jährigen Firmenzugehörigkeit kann ich stolz auf meine "Vorfahren" sein, die die Kunst des Kupfer- und Stahlstichs, Bleisatzes, Buch- und Steindrucks beherrschten und zum Gelingen der Firma beitrugen. 



Geschichte der Kartografie ab dem Mittelalter

 

 

 

Im Mittelalter entstanden drei unabhängige Kartenarten; Mappe mundi, Portolankarten und Ptolemäus-Karten.

 

 

Mappae mundi

 

In Europa ging das hohe kartografische Wissen der Antike verloren. Die ersten Karten des Mittelalters waren religiöse Darstellungen und es ging nicht um Genauigkeit. Die ältesten erhaltenen Karten stammen aus dem 8. Jahrhundert. Die weiteren Karten wurden vorwiegend von Mönchen angefertigt und bis ins 15. Jahrhundert immer wieder abgeschrieben.

 

 

Potolankarten

 

Diese Landkarten sind sehr genau. Es wurden aber nur Küstenumrisse und die Hafenorte eingetragen. Am häufigsten sind Karten des Mittelmeeres anzutreffen. 

 


Gegen Ende des Mittelalters wurden nicht nur Potolankarten sondern in der Weiterentwicklung Weltkarten gefertigt. 

 

 

Ptolemäus-Karten


Im 14. Jahrhundert gelangte ein griechisches Manuskript der Geografie des Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis ca. 180 n. Chr.) nach Italien. Von dem Original wurde in kürzester Zeit Abschriften erstellt. 

Eine besondere Leistung des Ptolemäus bestand darin, für die Darstellung einer Weltkarte eine neue Produktionsmethode gefunden zu haben. Es ging um das Problem wie eine Kugelfläche auf eine Ebene übertragen werden kann. Seit Eratosthenes (3. Jh. v. Chr.) wurde die Zylinderproduktion angewandt. Ptolemäus erkannte die Schwächen dieser ungenauen Darstellung. Aus dieser Erkenntnis entwickelte er eine neue Methode, die Kegelproduktion mit geraden Meridianen und eine modifizierte Kegelproduktion mit gekrümmten Meridianen. Diese Projektion kommt dem Erscheinungsbild der Kugel noch näher. 

Das Werk des Ptolemäus erfuhr durch den einsetzenden Buchdruck um 1450 eine enorme Verbreitung. Die erste Veröffentlichungen der

Geografie des Ptolemäus erschienen 1475 in Vicenza als Inkunbal-Ausgaben, allerdings ohne Karten. 1477 erschien eine Ausgabe mit Karten in Bologna und später jene in Rom, die über Kupferstiche der Landkarten verfügt.

Erst durch die weltweite Seefahrt wurden die Karten immer realitätsnäher gezeichnet. Ptolemäus-Atlanten des 16. Jahrhunderts sind ein eindrückliches Zeugnis vom Wandel des Weltbildes am Ende des Mittelalters. Auch Christoph Columbus war im Besitz eines Ptolemäus-Atlas.

Mit dem ungeheuren Anwachsen der geographischen Kenntnisse immer größerer Teile der Welt, der Verbreitung des Buchdrucks und dem Aufkommen eines reichen und gebildeten Bürgertums entstand die enorme Nachfrage nach Karten aller Gegenden.